Der Begriff Hilfs-Ich beschreibt in der Psychoanalyse eine
Behandlungstechnik für Patienten mit einer Ich-Struktur-Labilität.
Dabei stellt sich der Therapeut dem Patienten als "Hilfs-Ich"
zur Verfügung.
Hierbei unterstützt der Therapeut den Patienten in dem er den Patienten
auf eine fehlende Ich-Funktion hinweist.
Der Begriff wurde von den Psychoanalytikern und Psychotherapeuten Franz Heigl (1921-2002) und Annelise Heigl-Evers (1920-2001) geprägt. Er findet beispielsweise Eingang in die von Heigl-Evers et al. konzipierte „psychoanalytisch-interaktionelle Einzeltherapie“, die auf die Behandlung von Patienten mit Entwicklungsstörungen wie z.B. die Borderline-Störung ausgerichtet ist.
Hilfs-Ich ist ebenso ein Begriff, der im Psychodrama von Jakob Levy Moreno Gebrauch findet. Bei der Bearbeitung einer Problematik in der Gruppentherapie beschreibt es hier die unterstützende Funktion von dafür ausgewählten Mitpatienten. (Fachlich formuliert ist das Hilfs-Ich hier eine methodische Funktion der Mitpatienten im therapeutischen Prozess.)
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Erläuterung
Sind beim Patienten grundlegende Ich-Funktionen nicht ausreichend entwickelt,
so werden diese innerhalb einer psychodynamisch ausgerichteten Psychotherapie
stellvertretend vom Therapeuten für ihn ausgeübt. Der Therapeut
nimmt somit Hilfs-Ich-Funktion ein. Ziel ist es, dem Patienten durch Identifikation
mit dem Behandler zu ermöglichen, Situationen zu erkennen und auf Dauer
ähnlich darauf reagieren zu können.
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Beispiel und Vergleich
Ein Hilfs-Ich funktioniert ähnlich wie ein gedanklicher und gefühlsmäßiger
„Vorkoster“: Gedanken und Gefühle in Bezug auf eine bestimmte
Situation werden „vorgekostet“. Der Vorkoster (also der Therapeut)
bildet sich eine Meinung über Geschmack, Genießbarkeit oder auch
Ungenießbarkeit der Situationsbedingungen und teilt das Ergebnis mit
einer Empfehlung dem Patienten mit. Auf diese Weise stellt der Therapeut
dem Patienten seine eigenen regulierenden Signale zur Verfügung: „Da
würde ich jetzt hellwach werden und erleben: Hallo, aufgepasst!“
Der Patient kann jetzt versuchen, sich mit dem Therapeuten zu identifizieren
und so auf Dauer die Fähigkeit zu erlernen, ähnliche Situationen
selbst einzuschätzen und darauf angemessen zu reagieren.
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Aufgaben des Hilfs-Ichs
Realitätsprüfung
Wenn beim Patienten unsichere Grenzen zwischen dem inneren
und äußeren Erleben zugrunde liegen, entstehen verzerrte Vorstellungen
davon, was in einer von ihm erlebten Situation abläuft. Diese Situation
oder menschliche Interaktion soll in Bezug auf die Realität beleuchtet,
und die Verzerrung auf diese Weise aufgelöst werden.
Antizipation
Das Hilfs-Ich soll die Fähigkeit des Patienten fördern,
Handlungsabsichten eines anderen Menschen vorauszusehen und zu erkennen.
Integration
Das Bild, das ein Patient von sich selbst oder von einem anderen
Menschen hat, beinhaltet möglicherweise unvereinbare Widersprüche
in sich. Beispielsweise erlebt er den anderen Menschen aufgespalten in mal
„nur gut“ und mal „nur böse“. Oder, der Andere
wird im einen Moment idealisiert und im nächsten entwertet und ihm
Schuld zugewiesen. Oder, eigene Anteile oder die eines anderen Menschen
werden ganz verleugnet. Hier hat das Hilfs-Ich die Aufgabe, diese widerspüchlichen
Vorstellungsbilder miteinander zu verbinden, zu einem Gesamtbild in dem
die Gegensätze miteinander vereinbart werden können. Fachlich
ausgedrückt werden hier also widersprüchliche Selbst- und Objektrepräsentanzen
integriert.
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Siehe auch:
>> Inneres Team
>> Ego-State-Therapie
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Weblinks
* UNI Regensburg 2006 Konflikte
* Lexikon/Medizin/Psychotherapie aus Medizinische-Berufe
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